Michael Hetzel erklärt die Gruppe für aufgelöst – Das Protokoll des Scheiterns
Schon seit einiger Zeit befand sich die Gruppe Rhein-Main-steht-aufDie Gruppe Rhein-Main-steht-auf (RMSA) entstand aus den Corona-Protesten und prägte von 2021 bis Ende 2025 das Geschehen der rechten Verschwörungsszene im Raum Aschaffenburg-Miltenberg-Hanau. RMSA bearbeitete das gesamte rechte Themenspektrum und bekannte sich bis Herbst 2025 zur AfD. Die Gruppe verfügte zeitweise über beträchtliche personelle und finanzielle Ressourcen sowie über eine Struktur mit verbindlicher Aufgabenverteilung. Nachdem sich 2023 mehrere Personen aus… Weiterlesen (RMSA) in der Krise. Mobilisierungserfolge blieben aus und im Organisations-Team stritt man sich um die Frage, wie es weitergehen solle. Nun hat Michael HetzelMichael Hetzel war von 2021 bis Ende 2025 die führende Person von Rhein-Main-steht-auf (RMSA). Er meldete häufig deren Aufzüge an und war treibende Kraft dessen rechter Radikalisierung. Von Januar bis Juli 2025 war er Beisitzer im Bezirksvorstand der AfD in Unterfranken, trat jedoch von dem Posten zurück und aus der Partei aus, nachdem seine Anbindung an die Neonaziszene öffentlich wurde…. Weiterlesen, der Gründer und Kopf der Gruppe, zum Jahreswechsel die Auflösung von RMSA verkündet. Die »Silvester-Demonstration« in Aschaffenburg, die jährlich von Hetzel und seiner Gruppe organisiert wurde, fand 2025 erstmals nicht unter dem Label RMSA statt. Seitdem eskaliert der interne Streit und Hetzel rechnet nun mit ehemaligen politischen WeggefährtInnen ab.

Der Bruch
Die Krise von RMSA ist seit Monaten offensichtlich. Das Label wirkte zunehmend verbraucht, die Teilnahmezahlen an den von RMSA organisierten Aufzügen gingen zurück und dem »Orga-Team«, das die Aktionen von RMSA lenkte, brachen immer mehr Personen weg.
Einige Aktive von RMSA orientieren sich zunehmend stärker am neonazistischen Spektrum und folgen beispielsweise Mobilisierungen der Partei Die Heimat (ehemals NPDDie neonazistische Partei Die Heimat trat in der vergangenen Jahren im Rhein-Main-Gebiet kaum außerhalb einzelner Aufzüge der rechten Verschwörungsszene in Erscheinung. Die Partei war 1964 unter dem Namen Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) gegründet und im Juni 2023 in Die Heimat umbenannt worden. Auf den Aufzügen der Bürgerinitiative Franken, die von Mai bis September 2023 in Aschaffenburg stattfanden nahmen Gruppen von… Weiterlesen). Im Gegenzug nahmen offen auftretende Neonazigruppen an den Aufzügen von RMSA teil. Auf einer Demonstration von RMSA im Februar 2025 liefen 30 Angehörige der Gruppe Der Störtrupp (DST) und weitere Neonazis mit. Zu einem RMSA-Aufzug am 3. Oktober 2025 reiste unter anderem die Neonazigruppe Aryan Peoples Resistance (APR) – übersetzt »Arischer Volkswiderstand« – aus Nürnberg an.
Um die Frage, ob diese eine Bereicherung seien oder ob deren Auftreten dem Ansehen von RMSA schaden würde, entbrannte ein Streit, der RMSA weiter entzweite. AktivistInnen wie Marika HartmannMarika Hartmann aus Hösbach bei Aschaffenburg ist eine Verschwörungsideologin aus dem Führungskreis von Rhein-Main-steht-auf (RMSA). Sie exponiert sich darüber hinaus auf Veranstaltungen der AfD sowie auf Aufzügen von ReichsbürgerInnen und Neonazis. Auf der »Silvester-Demo« der rechten Szene 2025 in Aschaffenburg trat sie als Versammlungsleiterin auf. Als Trommlerin in der Gruppe von Wolfgang Burkard begleitet Hartmann rechte Aufzüge in ganz Deutschland…. Weiterlesen aus Hösbach und Karin KieckhäferKarin Kieckhäfer aus Kahl am Main ist eine Exponentin der rechten Verschwörungsszene. Sie verbreitet die Klartext-Bürgerzeitung, drängt auf rechten Aufzügen in den Vordergrund und führt eigene Aktionen gegen »Klimawahn« und »Massenmigration« durch, auf denen sie sie sich rassistisch und LGBTQ-feindlich äußert. Auf Aufzügen trägt sie häufig ein Schild, das die LGBTQ-Community mit Pädokriminalität und dem Verschwörungsmythos der »Neuen Weltordnung« in… Weiterlesen aus Kahl am Main verteidigten das Bündnis mit den Neonazis. Auch Hetzel distanzierte sich nicht von diesen, bat sie jedoch etwas zurückhaltender aufzutreten. Rhein-Main Rechtsaußen berichtete darüber ausführlich.

Ein weiterer Streitpunkt in der Gruppe war seit Herbst 2025 der Umgang mit der Alternativen für Deutschland (AfD)Die AfD ist ein Sprachrohr der rechten Verschwörungsszene. PolitikerInnen der AfD im Rhein-Main-Gebiet verbreiten rechte Verschwörungsmythen vom »Great Reset«, »Großen Austausch«, »Hooton-Plan« u.a. Beispiele sind Ramona Storm, Frank Grobe, Sandra Scheld. Andreas Lichert, Landessprecher der AfD in Hessen, schwadroniert über eine »Symbiose von Öko-Sozialisten und Großkapital« zur Durchsetzung eines »Ökosozialismus«. Hartmut Issmer wettert in Reden gegen eine »internationale Hochfinanz«, die… Weiterlesen. Die Aufzüge von RMSA waren bis dato stark von AfD-Symbolik geprägt und Hetzel war bis Juli 2025 Beisitzer im Bezirksvorstand der AfD Unterfranken. Unter anderem wegen seiner Teilnahme an einer Demonstration des APR in Nürnberg im Juli 2025 sollte er aus der Partei ausgeschlossen werden. Nur wenige Tage vor der RMSA-Demonstration am 3. Oktober verkündete er selbst seinen Austritt. Er erklärte die anstehende Demo für »parteifrei« und untersagte das Mitführen von Fahnen mit AfD-Logo. Jedoch waren auf dem Aufzug Plakate, Fahnen und Kleidung der AfD zu sehen. Selbst der stellvertretende Versammlungsleiter Sven MüllerSven Müller aus Groß-Umstadt-Richen (Lkr. Darmstadt-Dieburg) ist ein Aktivist der Alternative für Deutschland (AfD) sowie der rechten Verschwörungsszene. Er betreibt den TikTok-Account »Sven & Gismo« und nennt sich dort auch »Sven Gude«. »Gismo« ist der Name von Müllers Hund. Müller zeigt auf TikTok ein enormes Sendungsbewusstsein und postet mehrmals die Woche Videos. Darin wirbt er massiv für die AfD und… Weiterlesen aus Groß-Umstadt (Lkr. Darmstadt Dieburg) trug eine Jacke mit Parteilogo. Für Hetzel war dies ein Verlust von Autorität.

Zudem ging im Sommer 2025 Hetzels Beziehung in die Brüche und er musste aus dem gemeinsamen Haus in Niedernberg (Lkr. Miltenberg) ausziehen. Seine damalige Partnerin wollte seine politischen Umtriebe nicht länger hinnehmen, zumal sich auch in Niedernberg antifaschistische Aktionen gegen Michael Hetzel richteten. Im Juli 2025 zog er nach Breuberg im hessischen Odenwaldkreis. Doch auch an seiner neuen Adresse wurde er schnell in der Nachbarschaft geoutet. Hetzel selbst erzählt, dass es Beschädigungen an seinem PKW gegeben habe.
Im Herbst 2025 erklärte Hetzel, die Aktivitäten von RMSA bis zum Jahreswechsel vorübergehend einzustellen, da er keine Lust mehr habe, sich mit »der Antifa« herumzuschlagen. Wenige Tage später startete er jedoch die Mobilisierung für die »Silvester-Demonstration« in Aschaffenburg. Am 2. Dezember sagte er die Demonstration überraschend wieder ab, angeblich, weil er gewalttätige Übergriffe aus dem linken Spektrum befürchte.
Mitte Dezember wurde über Telegram erneut für den Aufzug am 31. Dezember in Aschaffenburg mobilisiert. Doch fehlte jeder Hinweis auf RMSA, stattdessen hieß es, die Demonstration sei von »zwei Privatpersonen« angemeldet worden und werde von einem »Team der Macher« organisiert. Dahinter verbergen sich Marika Hartmann und Kamil Asiltürk aus Hanau aus dem »alten« Führungskreis von RMSA.
Hetzel reagierte stinksauer und vermeldete in einer Videobotschaft, dass er mit der Demonstration nichts zu tun habe und sich ausdrücklich von ihr distanziere. Er wolle sich »nicht mehr mit der Antifa rumärgern«, doch habe sich der restliche Teil von RMSA über seinen Wunsch hinweg gesetzt. Daher habe er die Gruppe nun aufgelöst. Am Ende des Videos sagt er voller Häme: »An die liebe Antifa: Ab jetzt könnt ihr euch an die Marika wenden.«
Die »Silvester-Demonstration« 2025 in Aschaffenburg

Aschaffenburg am 31. Dezember 2025: Gegen 13 Uhr versammelte sich das übliche Klientel der rechten VerschwörungsszeneAls rechte Verschwörungsszene, rechte Verschwörungsbewegung oder rechtes Verschwörungsmilieu bezeichnen wir das Spektrum der Personen, die eine Verschwörungsmentalität und eine geteilte Identität als »Freiheitsbewegung« und »Wahrheitsbewegung« verbindet. Die Angehörigen der Szene organisieren sich in analogen und virtuellen Gruppen und Plattformen und verfügen über ein eigenes Netzwerk »alternativer Medien«. Mit den Corona-Protesten Anfang 2020 bildete sich eine Bewegung heraus, die sich beständig… Weiterlesen sowie einige bekannte Neonazis auf der Großmutterwiese nahe der Aschaffenburger Innenstadt. Das Motto des Aufzugs lautete dieses Jahr »An alle, die von dieser Politik die Nase voll haben«. Doch nur 180 Personen waren dem Aufruf gefolgt, erheblich weniger als bei den »Silvester-Demonstrationen« der letzten Jahre.
Die Infrastruktur inklusive Fahrzeug und Bühnenanhänger stellte der Kreis der Klartext-BürgerzeitungDie Klartext – Bürgerzeitung für das Rhein-Main-Gebiet ist eine Internetplattform und eine Gratis-Zeitung, die nach eigener Angabe in einer Auflage von über 50.000 Exemplaren verteilt wird. Die achtseitige Zeitung erscheint zweimonatlich. Von Mai 2022 bis Juli 2025 erschienen 20 Ausgaben. Seit der Ausgabe 12 nennt sie sich auch »Bürgerzeitung für das Rhein-Main-Neckar-Gebiet«. Der Kreis um die Zeitung führt häufig rechte… Weiterlesen. Auf der Eröffnungskundgebung sprachen auch drei »Klartext-Leute«: Achim WeinackerAchim Weinacker aus Frankfurt ist seit November 2024 hessischer Landesvorsitzender der Partei DieBasis. Er ist seit Beginn der Corona-Pandemie eine exponierte Person der rechten Verschwörungsszene, meldet Aufzüge an und tritt in der gesamten Region als Redner auf. Bei den »Friedensmärschen« der Szene, die seit 2022 jeden Montag in Frankfurt stattfinden, ist er neben Christoph Barth die zentrale Figur. Er gilt… Weiterlesen, zugleich Landesvorsitzender der Partei DieBasisDie Basisdemokratische Partei Deutschlands, kurz DieBasis, entstand im April 2020 als Sammelbecken von Initiativen und Kleinstparteien aus dem Spektrum der Corona-Proteste. Der Öffentlichkeit gilt DieBasis als »Querdenker-Partei« und »Esoterik-Partei«. Bereits im April 2021 hatte sie im Rhein-Main-Gebiet ca. 800 Mitglieder. Die Partei sammelt ein breites Spektrum von Personen, die sich teilweise als links verstehen, bis hin zu Reichsbürgern und anderen… Weiterlesen, Christoph BarthChristoph Barth, genannt Chris, ehemals aus Erzhausen, ist ein bundesweit aktiver und vernetzter Aktivist der rechten Verschwörungsszene. Er vertritt das Label Querdenken, ist ein Macher der Klartext-Bürgerzeitung und hat keine Berührungsängste zu extremen Rechten. Ab März 2020 organisierte Barth Corona-Proteste in Darmstadt und Frankfurt und gründete Querdenken615. Seitdem drängt er in der rechten Verschwörungsszene als narzisstischer Selbstdarsteller in den Vordergrund…. Weiterlesen, die Führungsperson von Klartext, sowie der Aktivist Kai Börner.
Unter den Teilnehmenden war der bekannte Neonazi Lars SchüßlerDie Neonazis Dirk Nahrath (links) und Lars Schüßler (rechts) am Leittransparent eines verschwörungsideologischen Aufzugs in Aschaffenburg am 31. Dezember 2022. Ganz links: Tanja Lichtl. © protest.foto südhessen Lars Schüßler ist ein führender Neonazi im Aschaffenburger Raum und Aktivist der rechten Verschwörungszene. Bekannt ist er unter dem Namen Falko Schüßler, seit einigen Jahren tritt er als Lars Schüßler auf. Auf verschwörungsideologischen… Weiterlesen, der viele Hände schüttelte und angeregt plauderte. Marika Hartmann war in ein langes Gespräch mit Axel Schunk vertieft. Schunk ist seit den 1980er Jahren ein bundesweit bekannter Neonazi. Er war eine Führungsperson der 1984 verbotenen Wiking-Jugend (WJ) und Ziehvater zahlreicher, heute noch aktiver Neonazis, die die WJ durchliefen. (siehe dazu: Ein Neonazi unter Reservisten).

Interessant war auch, wer nicht teilnahm: Hetzels Freunde von Aryan Peoples Resistance sowie andere erlebnishungrige Neonazigruppen blieben dem Aufzug fern und ebenso die AfD-Landtagsabgeordnete Ramona StormRamona Storm war eine treibende Kraft von Aschaffenburg Steht Auf (ASA) und ist heute bei Rhein-Main-steht-auf aktiv. Sie meldete Versammlungen der rechten Verschwörungsszene an und hielt dort Reden. Sie war Stadträtin der AfD in Aschaffenburg und sitzt seit Herbst 2023 im bayerischen Landtag. Ende 2021 erlangte Storm überregionale Bekanntheit. Als Intensivkrankenpflegerin am Klinikum Aschaffenburg-Alzenau berichtete sie von ihrem Versuch, sich… Weiterlesen aus Aschaffenburg, die zum Führungskreis von RMSA zählte. Auch waren wenig Bekenntnisse zur AfD zu sehen.
Die Aufgabe, das Event auf Video festzuhalten und über Videoportale zu verbreiten, übernahm an diesem Tag der Neonazi und ehemalige NPD-Funktionär Manuel Mann aus Gladenbach (Lkr. Marburg-Biedenkopf). Mann versucht seit Monaten, sich in der Szene mit seinem YouTube-Kanal »Mein Mittelhessen« als Streamer zu etablieren. Froh über jede Aufmerksamkeit, begrüßte Barth Mann zu Beginn der Kundgebung freudig von der Bühne.
Als die Demonstration durch die Aschaffenburger Innenstadt zog, skandierte eine Gruppe im vorderen Bereich des Zuges die Parole »Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen« und trug diese auch auf einem großen Transparent vor sich her. Barth erklärte währenddessen den Passant*innen: »Wir sind weder links noch rechts.« Nur wenigen Minuten später wurde das Lied »Frei sein« von der extrem rechten Rapperin Ramona Naggert, aka »Runa«, eingespielt, die unter anderem bei der neonazistischen Rap-Crew Neuer Deutscher Standard (NDS) aktiv war. Auch eine Gruppe der neonazistischen Partei Die Heimat beteiligte sich mit einem eigenen Transparent an der Demonstration. Getragen wurde dieses unter anderem von den hessischen Heimat-Funktionären Stefan Jagsch und Daniel Lachmann.
Die »Silvester-Demonstration« verdeutlicht, dass die Resttruppe von RMSA nicht in der Lage ist, über ihre eigenen Bekanntschaften hinaus zu mobilisieren. Deren Aufzüge werden immer mehr zum Selbstzweck, zum Treffpunkt von Gleichgesinnten. Die wiederum zeigen sich über den geringen Zulauf enttäuscht und motivieren sich darüber, dass die Videos des Events auf YouTube ein paar tausend Aufrufe erhalten. Karin Kieckhäfer ergriff am Ende der Demonstration das Mikrofon, um sich bei den OrganisatorInnen Marika Hartmann und Kamil Aslitürk zu bedanken, die kurzfristig eingesprungen seien. Beide hätten die »Courage« gezeigt, »das Ganze wegen der Antifa nicht sterben zu lassen«. Kamil Aslitürk kündigte an, dass man weiter machen wolle. Das überrascht nicht. Denn viele AktivistInnen haben sich in ihren privaten Lebensbereichen so weit isoliert, dass diese Aufzüge für sie als soziale Treffpunkte nahezu unentbehrlich sind.
Hetzels Abrechnung

Michael Hetzel meldete sich zu Beginn des neuen Jahres in zwei Videobotschaften zu Wort. Darin wettert erüber den angeblichen Verrat seiner ehemaligen politischen WeggefährtInnen. Er zerschneidet das Tischtuch zwischen sich und den Resten von RMSA derart, dass fraglich erscheint, ob dieses in Zukunft wieder geflickt werden kann.
Hetzel bekräftigt im Video, RMSA sowie deren Kanäle bei Telegram und in den sozialen Medien aufzulösen. Die Gruppe hätte auf ihn als »Chef« hören und die Silvester-Demonstration absagen müssen. Stattdessen habe man sich über ihn hinweggesetzt und den Eindruck erweckt, als sei er nach wie vor für die Organisation der Versammlung verantwortlich. Dadurch sei er erneut in den Fokus »der Antifa« gerückt. Dies sei »eine Schweinerei«. An seinen ehemaligen MitstreiterInnen lässt er kein gutes Haar. Mit Genugtuung kommentiert er, dass Marika Hartmann nun auch ins Visier »der Antifa« geraten sei.
In Fahrt gekommen lästert er darüber, dass große Teile von RMSA nur noch aus Tradition auf die Straße gehen und die Demonstrationen immer mehr zu »persönlichen Partys« verkommen würden. Er sei jedoch kein »Traditionsdemonstrant«, sondern wolle wirklich etwas bewegen. Er beklagt, dass die Szene von SelbstdarstellerInnen geprägt sei, die sich »in den Vordergrund heben« würden. Sich selbst nimmt er davon aus. Denn er habe sich nie auf die Bühne gedrängt, sondern sei im Hintergrund geblieben. Zwar habe er seine enorme Social-Media-Präsenz, doch »ist das etwas ganz anderes«.
Insbesondere Christoph Barth bekommt sein Fett weg. Die vom Klartext-Kreis organisierten wöchentlichen »Friedensmärsche«Das Label »Friedensmarsch« entstand in der rechten Verschwörungsszene nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Er findet jeweils wöchentlich an mehreren Orten im Rhein-Main-Gebiet statt. Treffpunkt in Frankfurt ist montags an der Konstablerwache. Passant*innen stellt man sich als »Frankfurter Friedensbewegung« vor. Die Zahl der Teilnehmenden schwankt konjunkturell und witterungsabhängig zwischen 30 und 100 Personen. Auf den Aufzügen werden unterschiedliche… Weiterlesen in Frankfurt bezeichnet Hetzel als »lächerliches Spiel«, bei dem »nicht einmal 50 Leute rum rennen« würden. Barth sei ja »schon immer QuerdenkerQuerdenken711 wurde im April 2020 in Stuttgart gegründet. Die Gruppe baute von Anfang an eine professionelle Struktur samt Marketing- und Medienbereich auf. Das Label Querdenken wurde ab Sommer 2020 zur bundesweit bestimmenden »Marke« der Corona-Proteste. In Frankfurt entstand Querdenken69, in Darmstadt Querdenken615, in Wiesbaden Querdenken611 und weitere. Die einzelnen Gruppe wurden von Stuttgart aus koordiniert. Ab dem Jahr 2021 verlor… Weiterlesen gewesen – mit Herzchen und so einer Scheiße«. Dass Barth ihm nun in den Rücken falle, hätte er nicht gedacht. Deswegen seien dies auch seine »letzten Worte« an Barth. Er werde ihn und andere seiner ehemaligen WeggefährtInnen in seinem Messenger von nun an blockieren.
Wie geht es nun weiter?
Hetzels Zornesrede zeigt einmal mehr, wie gering seine Impulskontrolle und Frustationstoleranz ist. Er duldet keinen Widerspruch und empfindet es als Kränkung, wenn jemand nicht nach seiner Pfeife tanzt. Er hat enormes Sendungsbewusstsein und teilt seine Gedanken oft ungefiltert und unüberlegt mit der Kamera und seinen FollowerInnen in den sozialen Netzwerken. Bereits in der Vergangenheit zeichnete er sich durch Sprunghaftigkeit aus. Immer wieder kündigte er an, alles hinzuschmeißen, nur um dann ein paar Tage später zu erklären, dass er jetzt erst recht weiter machen werde. Doch dieses Mal ist das Zerwürfnis mit seinem bisherigen politischen Umfeld tiefgehend.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass sich Hetzel politisch zurückziehen wird. Zwar gibt er an, in Zukunft mehr Zeit mit seinem Sohn verbringen und diesen schützen zu wollen. Doch er betont, dass er auch weiterhin politisch aktiv sein werde. Wo und wie lässt er offen.
Eine Mäßigung seiner politischen Positionen ist nicht zu erkennen. Im Gegenteil: Seine Gewaltdrohungen gegenüber »der Antifa« erklingen immer rabiater. So sagt er in einer Botschaft im Januar: »Denen schlage ich die Fresse ein, wenn ich sie treffe. Wenn ich hier irgendwann mal einen bei mir erwische, den mache ich kaputt.« In einem Video, das im Dezember 2025 in den sozialen Medien veröffentlichte wurde, beklagt er, dass es beim Thema Holocaust keine Meinungsfreiheit gebe – Zitat: »Warum darf man, wenn’s um den Holocaust geht, nicht seine eigene Meinung haben und der Meinung sein, dass die Geschichte vielleicht doch nicht so ist, wie man uns erzählt.«

Wo Hetzel in der Zukunft Politik machen wird, lässt sich derzeit noch nicht erkennen. Auch der Streit um das Label RMRA scheint noch nicht beendet. Nachdem Hetzel die Chatgruppen von RMSA wie angekündigt gelöscht hat, tauchten auf Telegram Anfang Januar neue Gruppen und Kanäle unter diesem Namen auf. Hetzel beschuldigte daraufhin Hartmann und Barth, das Label gegen seinen Willen übernommen zu haben. Es bleibt offen, ob der Streit noch weiter eskalieren wird.