Herzdeutsch mit Hitler-Spirit

Die Labels Frauen-Schutz-Bewegung und Mütter für Frieden sind von AnhängerInnen des extrem rechten Verschwörungsideologen William Toel geprägt. Im Bild Teilnehmende eines rechten Aufzugs in Frankfurt am 7. Februar 2026 in Frankfurt. © privat

Die AnhängerInnen von William Toel tarnen sich als »Mütter für Frieden« und »Frauen-Schutz-Bewegung«

Der Verschwörungsideologe William Toel sieht sich vom selben Geist erfüllt wie Adolf Hitler. Er schreibt Bücher, ist Gesprächspartner in extrem rechten Medien und reist mit Vorträgen durchs Land. Seine AnhängerInnen treten unter den Labels Herzdeutsch, Frauen-Schutz-Bewegung und Mütter für Frieden auf. Sie veranstalten unter anderem deutschlandweit »Mahnwachen« für den Frieden – auch im Rhein-Main-Gebiet. Hinter der Fassade von Friedensbotschaften und Herzchen-Symbolik verbreiten sie NS-relativierende Propaganda und Geschichtslügen.

William Toel ist US-amerikanischer Staatsbürger und ehemaliger Captain der US-Army. Der heute 80-jährige hält sich überwiegend in Deutschland auf, wo er seit Anfang 2021 AnhängerInnen um sich schart. Er flutet YouTube mit seinen Vorträgen und Statements, meldet sich ständig in rechten Medien zu Wort bzw. wird dort beworben und rezipiert. Im Interview mit dem extrem rechten Senders AUF1 im März 2025 erzählt er, er habe er seit 2021 exakt 431 Treffen in Deutschland abgehalten.

Toel bezeichnet sich als »Fürsprecher der Deutschen«. Sein Mantra ist: »Es ist gut, Deutscher zu sein.« Er schreibt, die Deutschen seien erschaffen worden, »um eine besondere Rolle in der Welt zu erfüllen«, und er sagt »Wenn die Deutschen wieder sie selbst sind, wird die Welt geheilt werden.«

Im Rahmen einer »Deutschtumwallfahrt« trafen sich am 6. August 2023 knapp 100 AnhängerInnen von William Toel am Brüder-Grimm-Denkmal auf dem Marktplatz in Hanau. Quelle: Telegram

Was ihn und seine AnhängerInnen aus der Masse der VerschwörungserzählerInnen und Verschwörungsgläubigen heraushebt ist, dass sie sehr stark Narrative der extremen Rechten bis hin in die Neonaziszene aufgreifen, insbesondere zu den Themen Kriegsschuld und Verbrechen des Zweiten Weltkriegs. In einer Videobotschaft im Juli 2024 auf seinem Telegram-Kanal sagt Toel:

»I am given the very spirit that gave life to your former Chancellor and President Adolf Hitler. I am sent by God to destroy your slavery to a great lie and deception and bring truth and freedom.«

Übersetzung: »Mir ist ebenjener Geist gegeben, der euren ehemaligen Reichskanzler und Reichspräsidenten Adolf Hitler mit Leben erfüllte. Ich bin von Gott gesandt, um eure sklavische Abhängigkeit von einer großen Lüge und Täuschung zu zerschlagen und euch Wahrheit und Freiheit zu bringen.«

(https://t.me/realwilliamtoel/387#)

Auch auf esoterischen Kongressen, wie dem »Wahrheitskongress« im September 2021, tritt William Toel als Experte auf. Treffen wie diese sind ein Tummelplatz von ReichsbürgerInnen und AnhängerInnen rechter Verschwörungsmythen wie QAnon, Chemtrails und der Germanischen Neuen Medizin. Hier verfließen esoterische und extrem rechte Milieus.

Der Prophet

Toels Einstieg ins Milieu der Verschwörungsgläubigen erfolgte in den Anfängen der Corona-Proteste, als Abertausende auf die Straße gingen, weil sie sich als Opfer einer »globalistischen Elite« sahen, die angeblich eine Neue Weltordnung plante. Etliche sendungsbewusste Welterklärer ergriffen nun die Chance, sich in dieser Bewegung aufzustellen und Verschwörungsmythen zu vermarkten. Toel war einer von ihnen.

2021 fanden die ersten (dokumentierten) Vorträge von Toel im Rhein-Main-Gebiet statt, damals noch in kleineren Rahmen und offensichtlich in Privatwohnungen. In der Region wurden er und seine AnhängerInnen erstmals öffentlich wahrgenommen, als sie am 21. Mai 2022 in einem Park in Hanau mit mehreren Dutzend Personen zum »Picknick« zusammenkamen.

Toel gibt sich betont religiös. Ständig beruft er sich auf Gott und hält die Zuhörenden an, für ihn und mit ihm zu beten. Bei seinen Auftritten schließt er oft die Augen, breitet die Arme aus und hält eine Weile inne. Bekannt ist diese Geste als »Orantenhaltung«, eine verbreitete liturgische Gebetshaltung, die symbolisieren soll, dass der Redner eine Verbindung zu Gott herstellen und von diesem etwas empfangen würde.

Seine AnhängerInnen verehren ihn als »magische Person«, Propheten und »Liebesprediger«. Sie verabreden sich analog wie virtuell zu gemeinsamen Gebeten und sind überzeugt davon, auf einer Mission zu sein. In internen Foren diskutieren sie ausgiebig die oft wirren Aussagen von Toel, ganz so, als seien es Gleichnisse, deren tieferen Sinn es zu ergründen gelte.

Seine Ehepartnerin Lisa Toel begleitet ihn häufig zu Vorträgen und ist als Mitautorin einiger Toel-Schriften genannt. Er protzt damit, sie sei die »Lieblingsberaterin« von Donald Trump in dessen erster Amtszeit als US-Präsident gewesen. Auch wenn dies sicher der Legendenbildung dient, so dürfte ihre Rolle im System Toel eine aktivere sein, als es nach außen den Anschein hat.

Die sogenannte »Orantenhaltung« ist Teil der Inszenierung von William Toel. Sie ist eine liturgische Gebetshaltung, die symbolisieren soll, dass der Redner eine Verbindung zu Gott herstellen würde. Das Bild zeigt William Toel auf einem Vortrag in Stuttgart am 4. Dezember 2021. Quelle: YouTube

Therapie »für die deutsche Seele«

Die rechte stattZEITUNG vom Bodensee empfindet Toels Vorträge als »Therapiestunde für die deutsche Seele«. Für die rechte Szene hat es Gewicht, wenn ein ehemaliger US-Militär die Deutschen von historischer Schuld freispricht und ihnen die Opferrolle anträgt. In einem Instagram-Post vom Februar 2025 nennt Toel die alliierten Luftangriffe auf Nazideutschland eine »absichtsvolle Politik des Terrors« gegen Unschuldige. In einem Vortrag aus dem Jahr 2021, den er in Stuttgart gehalten hat, wird besonders deutlich, wie sich bei ihm Geschichtslüge und Irrationalität verbinden. Dort sagte er:

»They (gemeint sind die Deutschen, d.R.) were always peace loving, there wasn’t one german – and I was there – in 1936, 1937, 1938, there wasn’t one German in this whole country who wanted anything but peace – Germans are always peace loving people. Everybody was caught up in a big mess.«

Übersetzung: »Sie (die Deutschen) waren immer friedliebend, es gab nicht einen Deutschen – und ich war dabei – 1936, 1937, 1938, gab es im ganzen Land keinen Deutschen der etwas anderes als Frieden wollte. Deutsche sind immer friedliebende Menschen. Alle gerieten in eine große Misere.«

(https://www.youtube.com/watch?v=gDouzd9iPQY)

Vorgetragen wird dies von einem, der 1945 geboren ist und angibt, in den 1930er Jahren dabei gewesen zu sein. Über den Holocaust erfährt man kein Wort.

Wie es sich für einen rechten Erweckungsprediger gehört, so hat sich auch Toel eine eigene Verschwörungserzählung zurecht gelegt, mit der er seine Anhängerschaft mit exklusivem Wissen versorgt und ihnen darüber die Aura der Erleuchtung verschafft. Kernstück seiner Erzählung ist der Mythos vom »Bletchley Park«. Demnach hätten nach dem Zweiten Weltkrieg die führenden Köpfe der Alliierten beschlossen, das deutsche Volk für immer durch psychologische Kriegsführung (»Psy-OPs«) klein zu halten und zu erniedrigen. Bei einem Treffen auf dem englischen Landsitz Bletchley Park sei ein Plan für eine »gigantische Lüge« entworfen worden, um den Deutschen die Schuld an den Verbrechen des Zweiten Weltkriegs zuzuweisen. Toel schreibt:

»Um die mentale Propaganda Bletchley Parks in die physische Wirklichkeit zu bringen, wurden Millionen perfekt hergestellter Dokumente, welche die „Schuld“ beweisen sollten, in den Archiven jeder Organisation in Deutschland platziert. Durch Verwendung der offiziellen Stempel und Beglaubigungen der Amtsträger wurde es im Chaos des Machtwechsels schnell unmöglich, die echten von den falschen Dokumenten zu unterscheiden. Die BRD wurde zum Vollstrecker der Alliierten, indem sie unendlich viel Zeit und Ressourcen für die Vergangenheitsbewältigung aufwandte.«

William Toel: Bletchley Park. Die psychologischen Kriegsführung gegen Deutschland, 2021

Verschwörungsideologische, revisionistische und nationalistische Publikationen von William Toel und seiner Ehepartnerin Lisa Toel

Auf einem Vortrag im Jahr 2021 in Böblingen sagte Toel:

»That’s Bletchley Park, that’s what it did to you. It made it so that instead of being in love with who you are, in love with being german. We’ve made you into antigermans, gegen deutsch. So that today the greatest sin in germany is to like germans. I’m finding out, that the greatest crime in germany today is to love germans.«

Übersetzung: »Das ist es, was euch Bletchley Park angetan hat. Es hat bewirkt, dass ihr euch nicht als diejenigen liebt, die ihr seid und euer Deutschsein liebt. Wir haben euch zu Antideutschen gemacht, gegen Deutsch. So dass es heutzutage die größte Sünde in Deutschland ist, Deutsche zu mögen. Ich stelle fest, dass es das größte Verbrechen im heutigen Deutschland ist, Deutsche zu lieben.«

(https://www.youtube.com/watch?v=M43zwrNyTO4)

Toel glaubt zu wissen, wer hinter all dem Unheil steckt, das den Deutschen angeblich widerfährt: die »globale Elite«. Als einen »tollen Kerl« und Kämpfer gegen das »System der globalen Elite« hat er Donald Trump ausgemacht. Seinen AnhängerInnen sagt er in gebrochenem Deutsch: »Wenn Sie beten, beten für Trump! Er ist gut für euch.« (William Toel, Rede in Berlin , 1. Dezember 2024).

Was sich an seine Erzählungen anschließt, ist das Versprechen von Befreiung. Dadurch, dass man die Hintergründe durchschaue und die seit Jahrzehnten unterdrückte Wahrheit erkenne, könne man sich von seinen Fesseln lösen, von all den Schuld- und Schamgefühlen befreien und das deutsche Selbstbewusstsein wiedererlangen. Immer wieder prophezeit er, das deutsche Volk würde schon in wenigen Monaten aufstehen und die herrschende Elite in einem »perfekten Sturm« hinwegfegen. Da die Prophezeiung nicht eintritt, wiederholt er sie einfach in regelmäßigen Abständen.

William und Lisa Toel bei einem Vortrag am 9. Mai 2024 im österreichischen Linz. Übersetzer ist (links) der Frankfurter Jurist Gunnar Graf. Der rote Regenschirm dient der Herzdeutsch-Gemeinschaft als Symbol. Quelle: YouTube

Die Herzdeutsch-Gemeinschaft

Der Kern der AnhängerInnen des William Toel organisiert sich unter dem Label »Herzdeutsch«. Sie nennen sich die »Herzensmenschen« und haben als Symbol den roten Regenschirm, den sie bei Versammlungen mitführen, als Button tragen oder als Aufkleber auf ihren Autos anbringen. Ihrer Gemeinschaft dürften in Deutschland einige hundert Personen angehören. Sie organisieren sich in regionalen Stammtischen, die regelmäßig zusammenkommen, gemeinsam etwas unternehmen und sich in eigenen Foren austauschen.

Im Rhein-Main-Gebiet tritt vor allem der WT-Stammtisch Rheinland-Pfalz in Erscheinung. Die Gruppe organisiert einen monatlichen Stammtisch in einem Bistro im Sportpark in Gensingen (bei Bingen) sowie Veranstaltungen zur Sonnenwende und Treffen, zu denen Toel persönlich anreist. Die letzten beiden regionalen Vorträge mit ihm fanden in einem Veranstaltungsraum der Abtei St. Hildegard in Rüdesheim am Rhein statt. Am 21. März 2026 erschienen dort knapp 50 Personen, am 25. August 2025 spazierten 50 Toel-AnhängerInnen zum Niederwalddenkmal (»Germania«) oberhalb von Rüdesheim, wo sie das nationalistische Soldatenlied »Die Wacht am Rhein« sangen, bevor sie zum Vortrag in die Abtei weiterzogen. Die Teilnehmenden reisten bis aus dem Schwarzwald, dem Westerwald und aus Nordrhein-Westfalen an.

Da die Toel-AnhängerInnen die Veranstaltungen in der Abtei St. Hildegard als private Treffen ohne jeden Hinweis auf William Toel oder Herzdeutsch anmeldet hatten, war für die Vermieterin deren politischer Hintergrund nicht ersichtlich gewesen. Die Abtei bedauert im Nachhinein die Vermietung. Sie distanziert sich mit allem Nachdruck vom Gedankengut der Toel-Gruppe und hat der Mieterin und der Gruppe nunmehr Hausverbot erteilt.

Führende OrganisatorInnen der regionalen Stammtische und Toel-Veranstaltungen sind das Ehepaar Renate und Markus Hammerschmidt aus Gensingen. Weiterhin treten im Rhein-Main-Gebiet in organisatorischer Funktion unter anderem die »Business-Coach« Britta Eremit aus Bad Homburg und der Frankfurter Jurist Gunnar Graf auf. Graf ist in ganz Deutschland und Österreich an Aktionen der Herzdeutsch-Gemeinschaft beteiligt und fungiert auch als Übersetzer und Regenschirmhalter für William Toel bei dessen Reden.

Knapp 50 AnhängerInnen von William Toel trafen sich am 25. August 2025 am Niederwalddenkmal (»Germania«) oberhalb von Rüdesheim, wo sie das nationalistische Lied »Die Wacht am Rhein« sangen. © Rhein-Main Rechtsaußen
Anhängerinnen von Toel am 25. August 2025 am Niederwalddenkmal in Rüdesheim. Renate Hammerschmidt (gestreiftes Shirt) und Birgitta Nolde (rechts daneben) sind zentrale Personen der Toel-Gemeinschaft. Rechts neben Nolde die »Geistheilerin« Ute Martina Witt aus Königstein im Taunus. © Rhein-Main Rechtsaußen

Unter den Teilnehmenden der Veranstaltungen finden sich bekannte Gesichter aus dem Reichsbürger-Spektrum und aus der rechten Verschwörungsszene: Zum Beispiel die unvermeidliche Ingrid Reich aus Neu-Anspach im Taunus, die fast überall anzutreffen ist, wo Erleuchtung, Wahrheit und Verschwörungslitanei feilgeboten werden. Bei den hessischen Kommunalwahlen im März 2026 kandidierte sie in Neu-Anspach für die Partei DieBasis.

In den Forums-Diskussionen der Gruppe finden sich viele Bekenntnisse zur AfD. Markus Hammerschmidt freut sich über »wahre Worte« von Björn Höcke in einem Interview in AUF1 und sendet gleich einen Videoausschnitt mit. Darin behauptet Höcke, dass »die Elite, die uns beherrscht« ein Mordkomplott gegen das deutsche Volk geschmiedet habe, welches durch »Multikulturalisierung« umgesetzt würde.

William Toel und sein Übersetzer Matthias Riepenhoff aus der Schweiz am Eingang des Vortragsraumes der Abtei St. Hildegard in Rüdesheim am 21. März 2026. © Rhein-Main Rechtsaußen

»Walk am Rhein«, »Deutschtumwallfahrt«, »Tour für die Unschuldigen

Die »Herzensmenschen« von Toel treten seit 2021 mit groß aufgemachten Kampagnen in die Öffentlichkeit. So mit dem »Walk am Rhein«, zu dem sie 2021, 2022 und 2023 Veranstaltungen an verschiedenen Orten entlang des Rheins von Karlsruhe bis Düsseldorf ankündigten, um der Opfer der Rheinwiesenlager zu gedenken. Im Telegram-Kanal »Rheinwiesen- und Ahrtal Treffen 2022 und 2023«, der Toel-AnhängerInnen hierzu zum Austausch und zur Mobilisierung diente, kursierten Videos und Aussagen mit offener Holocaust-Leugnung.

In den Rheinwiesenlagern waren von April bis September 1945 hunderttausende Soldaten von Wehrmacht und SS interniert. Die Forschung geht heute davon aus, dass dort aufgrund der damals existierenden katastrophalen Versorgungslage mehrere tausend Menschen starben. Toel nennt die Internierung in den Rheinwiesenlagern »eines der schrecklichen Kriegsverbrechen« und er fabuliert die Zahl von über 800.000 Menschen, die dort »ermordet« worden seien. Damit knüpft er an die Propaganda von Neonazis an, die jahrelang »Trauermärsche« zur Erinnerung an die Toten der Rheinwiesenlager durchführten und sich diese Zahl ausdachten. Nach 2021 stellten die Neonazis ihre »Trauermärsche« mangels Teilnehmenden und wegen massiven Gegenprotesten ein. Doch kehrten Geschichtsrevisionismus, Antisemitismus und Deutschnationalismus in Gestalt von Toel und seinen AnhängerInnen in die Region zurück. Hatten diese zunächst vollmundig angekündigt, zu »Walk am Rhein« Zehntausende von Menschen zu mobilisieren, so wurde das Konzept geändert, nachdem Antifaschist*innen darüber berichteten. Nun fanden abseits öffentlicher Wahrnehmung kleinere lokale Treffen statt. Bilder legen nahe, dass an diesen bis zu 150 Personen teilnahmen.

Vom 1. Juni bis 30. September 2023 organisierte der Kreis um Toel eine »Deutschtumwallfahrt«. Diese führte vom Niederwalddenkmal in Rüdesheim über zehn weitere Stationen zur Walhalla bei Regensburg. Die Teilnehmenden sollten an berühmten Stätten deutscher Geschichte spüren, »dass es gut ist, Deutscher zu sein.« Ein Ort der »Wallfahrt« war Hanau, wo sich am 6. August 2023 knapp 100 Personen am Brüder-Grimm-Denkmal auf dem Marktplatz trafen und danach einem Vortrag von Toel zuhörten.

Ein weiteres Projekt von Toel war im Jahr 2024 die »Tour für die Unschuldigen« zum Gedenken an die Opfer der alliierten Luftangriffe. Diese begann am 14. Februar 2024 in Dresden, am Jahrestag der Bombardierung der Stadt, und ging bis in den Mai. Im Telegram-Kanal der »Tour« meldeten AnhängerInnen von Toel aus über 400 Orten, dass sie an Denkmälern, in Kirchen oder auf Friedhöfen »für die Unschuldigen« gebetet hätten. Doch waren es in einigen Fällen wenige, manchmal auch nur zwei Personen, die an einem Tag mehrere Ortschaften abklapperten, dort an Gedenkstätten Kerzen aufstellten und davon Fotos verschickten.

Schuldumkehr und Holocaustleugnung in einem Telegramkanal von Toel-AnhängerInnen zu den Rheinwiesenlager-Treffen. Die Nachrichten stammen von Oliver Kloth aus Niedersachsen. Dessen Partnerin Nancy Mandody zählt zu den ÜbersetzerInnen von Vorträgen von William Toel und moderiert eine Videoreihe zum Verschwörungsmythos »Bletchley Park«. Quelle: Telegram

Die neuen Labels: »Mütter für Frieden«, »Frauen-Schutz-Bewegung«

Am 1. September 2025 gründete sich in Bonn die Gruppe Mütter für Frieden als Teil bzw. deutscher Ableger einer Frauen-Schutz-Bewegung. Diese »Bewegung« tritt auch unter dem Namen »Friedensfrauen« auf und entstand 2025 als Zusammenschluss von Gruppen und Personen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die zum Großteil zuvor in den Corona-Protesten aktiv gewesen waren. Laut eigenem Selbstverständnis organisieren sich in dem Netzwerk Frauen, die ihre Kinder und Familien vor Krieg, Entwurzelung und »vor einer Welt des Chaos« schützen wollen.

Von Oktober 2025 bis Ende März 2026 veranstalteten die Mütter für Frieden in Deutschland über 100 »Mahnwachen« von Berlin bis Oberbayern, von Aachen bis Thüringen. Daran nehmen je nach Ort und Wetterlage zwischen fünf und 40 Personen teil. Dabei stellen sich die Aktiven, darunter auch einige Männer, in einer Reihe mit Schildern auf belebten Plätzen auf. An einzelnen Orten kommen die Teilnehmenden mittlerweile wöchentlich zusammen.

Rechtlich Verantwortliche der Mütter für Frieden ist wiederum Renate Hammerschmidt vom WT-Stammtisch Rheinland-Pfalz. Doch es deuten noch andere Faktoren darauf hin, dass die Mütter für Frieden und die Frauen-Schutz-Bewegung im Kreis der Toel-AnhängerInnen erdacht wurden und von diesen geprägt sind. So wurden die Aktionen der Mütter für Frieden von Anfang an breit in den Toel-Kanälen beworben und etliche bekannte Personen von Toel-Veranstaltungen, die bei »Straßenaktionen« der rechten Verschwörungsszene bisher nicht oder kaum zu sehen waren, reisen bis zu zwei Stunden an, um bei den »Mahnwachen« zwei Stunden mit Schildern herumzustehen.

AktivistInnen der der Frauen-Schutz-Bewegung auf einer rechten »Friedensdemonstration« am 4. April 2026 in Frankfurt. Am Transparent rechts Renate Hammerschmidt, dahinter Markus Hammerschmidt. © dokunetzwerk rhein-main

Im weiteren Rhein-Main-Gebiet fanden bisher fünf dieser »Mahnwachen« statt – zwei in Wiesbaden, zwei in Gießen und eine in Frankfurt. In Frankfurt waren es am 14. März 17 Personen, die vor der Alten Oper ein Informationszelt aufbauten, sich mit Tafeln davor aufstellten und über ein Megafon Reden hielten. Dass ihre Aktionen in der rechten Verschwörungsszene angenommen werden, zeigt die Beobachtung, dass sich auch bekannte Personen der Szene beteiligen, wie zum Beispiel am 14. März in Frankfurt der rechte Streamer Uwe Franke aus Seeheim-Jugendheim (Landkreis Darmstadt-Dieburg) sowie Thomas Bernt aus Darmstadt, der im Rhein-Main-Gebiet die zentrale Person des Labels Gemeinsam für Deutschland ist.

Auch beteiligen sich AktivistInnen der Frauen-Schutz-Bewegungen / Mütter für Frieden an diversen Szene-Demonstrationen, wo sie sich mit einheitlichen Westen und entsprechenden Tafeln als Gruppe zu erkennen geben – so zum Beispiel am 7. Februar 2026 in Frankfurt auf einem Aufzug von FrauenLaufen (ein weiteres Label der rechten Verschwörungszene) und bei einer rechten »Friedensdemo« am 4. April 2026, als über 400 Personen durch Frankfurt zogen.

Einen Schwerpunkt der Mütter für Frieden bildet der Großraum Köln/Bonn. Treibende Kräfte der Toel-Gruppe sind dort das Ehepaar Birgitta und Thomas Nolde aus Bergisch Gladbach, die seit Jahren Toel bei seinen Vorträgen begleiten und Aufgaben übernehmen. Am 21. März brachten sie Toel mit ihrem PKW zur Veranstaltung nach Rüdesheim. Birgitta Nolde war auch 2023 Admin des Telegram-Kanals der »Deutschtumwallfahrt«.

Über eine »Mahnwache« der Mütter für Frieden am 15. November 2025 in Bonn berichtete die regionale Tageszeitung General-Anzeiger durchweg positiv. Sie ließ Teilnehmerinnen, darunter eine »Birgitta«, zu Wort kommen und schrieb ohne es zu prüfen, dass die »Bewegung Mütter für Frieden« bereits 600 Mitglieder habe.

An manchen Orten erweitern die Mütter für Frieden ihren Aktionsrahmen, indem sie sich als Rechte unerkannt mit ihren Tafeln zu Aktionen von (nicht rechten) Friedensinitiativen hinzugesellen und diese instrumentalisieren. Ein Grüppchen der Mütter für Frieden schloss sich am 5. März in Köln sogar einer Demonstration von SchülerInnen an, die sich gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht richtete.

»Mahnwache« der Mütter für Frieden am 14. März 2026 vor der Alten Oper in Frankfurt. © dokunetzwerk rhein-main

Vom Virtuellen ins reale Leben

William Toel ist ein hauptsächlich virtuelles Phänomen. Im realen sozialen Leben vermag er eine eingeschworene Anhängerschaft zu mobilisieren, die keine Mühen scheut, ihm durch die Lande zu folgen.

Ein Teil der rechten Verschwörungsszene sieht Toel auch skeptisch. Manche empfinden sein Auftreten als zu paternalistisch und wer noch nicht vollkommen den Bezug zur Realität verloren hat schreckt wahrscheinlich auch zurück, wenn ein 75-Jähriger im Jahr 2021 behauptet, er sei in den Jahren 1936 bis 1938 in Deutschland dabei gewesen.

Jedoch verharren Toel und seine AnhängerInnen nicht in ihrer sektenartigen Gemeinschaft, sondern treten seit Herbst 2025 als Frauen-Schutz-Bewegung und Mütter für den Frieden stärker in die Öffentlichkeit. Wenn sie sich als Friedensapostel geben und an unterstützenswerten Protesten gegen Krieg und Wehrpflicht beteiligen, sollten Antifaschist*innen wie auch die Organisator*innen dieser Proteste dies in den Blick bekommen und zu verhindern wissen.


Eine gemeinsame Recherche von Antifaschistische Recherche Oberberg (AROB) und Rhein-Main Rechtsaußen


siehe auch: Holocaustleugner, Verschwörungsideologen, Revisionisten und Esoteriker beim Rheinwiesenlagertreffen, Antifaschistische Recherche Oberberg, 08.05.2023