Wissenschafts­feindlichkeit

Teilnehmerin an einem Aufzug von Rhein-Main-steht-auf am 22. Januar 2022 in Offenbach. © Protest.foto Südhessen

Wissenschaftsfeindlichkeit bezeichnet die ablehnende Haltung gegenüber Evidenz und gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnis. Der Begriff entstand mit der Holocaustleugnung, heute umfasst er u.a. die Leugnung des Klimawandels, der Evolutionslehre und medizinischer Erkenntnisse z.B. zu AIDS, Corona oder Krebserkrankungen. Wissenschaftsfeind*innen und -leugner*innen kommunizieren oft offensiv nach außen und erreichen eine Verunsicherung bis weit in die Gesellschaft hinein. Die Negierung des wissenschaftlichen Konsenses beinhaltet die Verleugnung einer gemeinsamen »Wahrheit«, was zur Spaltung und Entsolidarisierung in der Gesellschaft beiträgt.

Von der Sozialwissenschaft werden die Verschwörungsmentalität und eine grundsätzliche Antihaltung gegen die etablierte Meinung (»das Establishment«, »die da oben«) als hauptsächliche Grundlagen der Wissenschaftsfeindlichkeit erkannt. Ausgeprägt findet sich die Haltung z.B. bei Anhänger*innen von Anthroposophie und Alternativmedizin, wenn biologistische, mitunter auch rassistische und antisemitische Theorien und Regelwerke an die Stelle von Erkenntnissen treten.

Die Ablehnung bestimmter Maßnahmen, beispielsweise Einschränkungen während der Corona-Pandemie oder ein Tempolimit im Straßenverkehr, wird über die Leugnung wissenschaftlicher Erkenntnisse legitimiert. Aus einer wissenschaftsfeindlichen Haltung heraus werden häufig fehlerhafte Entscheidungen getroffen, z.B. für unwirksame oder schädliche medizinische Behandlungen oder ebensolche Handlungen in Sachen Klima- und Umweltschutz.

Weiterführend:
Nora Pösl: Von Homöopathie und Handauflegen zur Hassideologie? Zum Verhältnis von alternativen Heilmethoden zu Verschwörungstheorien, Esoterik und rechten Ideologien, Hamburg 2020.