Burschenschafter, Identitäre Bewegung und kaum Frauen

Die AfD-Jugend in Hessen ist und bleibt extrem rechts – auch als Generation Deutschland

Mit der Generation Deutschland (GD) soll die Parteijugend der Alternative für Deutschland (AfD) enger an die Mutterpartei gebunden und »auf Linie« gebracht werden. Auch in Hessen brachte die Landespartei im Vorfeld der Gründungsversammlung der hessischen GD Kandidaten für den Vorstand in Stellung, die nach außen »moderat« und »gemäßigt« wirken sollen. Doch der Schein trügt. Im Landesvorstand sammeln sich völkische Burschenschafter und Aktive der neofaschistischen Identitären Bewegung (IB).

Der Vorstand der »Generation Hessen«

Der Vorstand der Generation Deutschland Hessen – von links nach rechts: Christian Petri, Amelie Effenberger, Pascal Schleich, Christopher Maerckel, Nafiur Rahman, Robin Bildesheim, Thomas Janeczek, Robin Jünger, Louis Düringer. Es fehlt Jonathan Götzel. Quelle: Facebook

Am 28. März 2026 gründete sich im Bürgerhaus Johannesberg in Fulda der hessische Landesverband der AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland (GD). An der Veranstaltung nahmen 51 stimmberechtigte Mitglieder und 30 GästInnen teil. Unter den Teilnehmenden konnten nicht mehr als 14 Frauen festgestellt werden.

Vier Monate nach der Gründung der GD auf Bundesebene zog nun als einer der letzten Landesverbände auch Hessen nach. Die Gründe dafür dürften neben der Kommunalwahl auch in Konflikten im Kreisverband Offenbach liegen, die die hessische AfD lange beschäftigten.

Grund der Auflösung der ehemaligen AfD-Jugendorganisation Junge Alternative (JA) und der Gründung der GD als Nachfolgeorganisation war es, die Parteijugend enger an die Mutterpartei zu binden und stärkere Durchsetzungsbefugnisse im Jugendverband zu schaffen. So sollte ein potentielles Verbot der JA verhindert werden und eine Parteijugend entstehen, die gemäßigter auftreten und weniger Angriffspunkte wegen ihrer neofaschistischen Verwobenheit bieten sollte. Dass diese Versuche wenig Erfolg haben, zeigen schon jetzt Beispiele aus anderen Landesverbänden.

Zum Landesvorsitzenden der GD Hessen wurde in Fulda Nafiur Rahman aus Bad Vilbel (Wetteraukreis) gewählt. Er war von der Landes-AfD vorgeschlagen worden und bekam 94 Prozent der Stimmen. Rahman tritt erst seit 2024 für die AfD auf und ist seit November 2025 Beisitzer im GD-Bundesvorstand. Er arbeitet für den AfD-Bundestagsabgeordneten Pierre Lamely aus Fulda.

Der stellvertretende Schatzmeister der GD Hessen Jonathan Götzel (links) auf dem »Burschentag« der völkischen Deutschen Burschenschaft am 13. Juni 2025 in Eisenach. © dokunetzwerk rhein-main

Stellvertretender Landesvorsitzender wurde Pascal Schleich aus Homberg (Ohm). Auch er war von der Landes-AfD protegiert worden. Doch konnte er sich erst in einer Kampfabstimmung gegen Dominik Asch aus Hanau/Schöneck durchsetzen. Asch saß bereits im Landesvorstand der JA in Hessen und schied dort im Jahr 2024 nach öffentlichen Kontroversen aus. Bei der Wahl in Fulda erhielt Schleich 29 und Asch 22 Stimmen.

Zum Schriftführer der GD Hessen wurde der Bundestagsabgeordnete Robin Jünger aus Gießen gewählt. Neue Schatzmeister sind Thomas Janeczek aus Rodgau und Jonathan Götzel aus Marburg. Komplettiert wird der Landesvorstand durch die BeisitzerInnen Amelie Effenberger (Edertal), Christian Petri (Darmstadt), Robin Bildesheim (Oestrich-Winkel), Christopher Maerckel (Wiesbaden) und Louis Düringer (Gießen).

Mehrere Teilnehmende des Gründungstreffens der GD in Hessen lassen sich völkischen Burschenschaften oder der IB-nahen Frauengruppe Lukreta zuordnen. Dazu zählen zum Beispiel die Lukreta-Aktivistin Evelina Mavrina aus dem Raum Kassel.

Insbesondere die Wahl von Thomas Janeczek und Jonathan Götzel könnte für die GD noch zum Problem werden. Götzel ist Mitglied der extrem rechten Marburger Burschenschaft Germania. 2024 und 2025 nahm er am Bundestreffen (»Burschentag«) des Dachverbands Deutsche Burschenschaft (DB) in Eisenach teil.

Die Aktion451 Frankfurt

Thomas Janeczek gehört der Aktivitas der Frankfurt-Leipziger Burschenschaft Arminia an. Ein weiteres Mitglied dieser Verbindung ist der ehemalige Vorsitzende der hessischen JA Manuel Wurm aus Offenbach. Janeczek und Wurm wurden in den vergangenen Jahren mehrfach bei Aktivitäten der Identitären Bewegung festgestellt. So nahmen die beiden – und weitere Aktive der AfD-Jugend aus dem Offenbacher Raum – am 20. Juli 2024 an einer Demonstration der IB in Wien teil.

Aufzug der Identitären Bewegung in Wien am 20. Juli 2024. Hintere Reihe von rechts nach links: Manuel Wurm, Thomas Janeczek und (mit Sonnenbrille) ein weiterer Teilnehmer des Treffens der Gruppe Aktion451 am 5. März 2026 in Frankfurt. © dokunetzwerk rhein-main

Erst am 5. März 2026 traten Janeczek und Wurm als Initiatoren eines »Kennenlerntreffens« der Gruppe Aktion451 Frankfurt in der Apfelweinwirtschaft »Zur Germania« in Frankfurt-Sachsenhausen in Erscheinung. An dem Treffen nahmen neben den beiden acht weitere Personen teil, von denen mehrere der AfD bzw. der AfD-Jugend zugeordnet werden können. Der Tisch war auf den Namen von Thomas Janeczek reserviert.

Teilnehmer des »Kennenlerntreffens« der Aktion451 Frankfurt am 5. März 2026 vor der Apfelweinwirtschaft »Zur Germania« in Frankfurt. In der Mitte steht Manuel Wurm, der das Treffen zusammen mit Thomas Janeczek organisierte. © Rhein-Main Rechtsaußen

Bei der Aktion451 handelt es sich um ein Label der Identitären Bewegung, mit dem diese gezielt an Universitäten Propaganda betreibt und Mitglieder wirbt. Seit einigen Monaten entstehen in deutschen Städten Ableger der Gruppe. Mehrfach schon tauchten im Studierendenhaus in Frankfurt sowie auf dem Campus der Goethe-Universität Frankfurt Flugblätter der Aktion451 sowie der Campus Initiative der Deutschen Burschenschaft auf. Laut eigener Darstellung trifft sich die Aktion451 Frankfurt zudem in einem Lesekreis zu Ernst Jünger. Jünger gilt als wichtiger Vertreter der extrem rechten Strömung »Konservative Revolution« in der Zwischenkriegszeit und als ein Wegbereiter des Nationalsozialismus.

Bewerbung des Vortragsabends der Frankfurt-Leipziger Burschenschaft Arminia am 5. Februar 2026 sowie des »Kennenlerntreffens« der Gruppe Aktion451 Frankfurt am 5. März 2026. Quelle: Instagram

Bereits am 5. Februar 2026 veranstaltete die Frankfurt-Leipziger Burschenschaft Arminia in ihrem Verbindungshaus in Sachsenhausen einen Vortragsabend zum Thema »Studentenparlament und politisches Engagement an der Uni«. Manuel Wurm und Thomas Janeczek waren bereits eine Stunde vor Beginn vor Ort, schleppten Getränke und richteten den Raum her. Pikant: An dem Vortrag nahm auch Kai William Jonathan Bontas (Kai Bontas) aus Offenbach teil. Er ist Landesvorsitzender des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) in Hessen, Mitglied der katholischen Studentenverbindung KDStV Greiffenstein und gründete 2025 zusammen mit jungen PolitikerInnen der Unionsparteien den Res Publica Thinktank für bürgerlich-konservatives Denken.

Noch immer existiert formal ein Unvereinbarkeitsbeschluss zwischen der AfD und einer Mitgliedschaft bei der Identitären Bewegung. Durchgesetzt wird dieser von der Partei jedoch nur sehr selektiv. Zuletzt musste etwa der bayrische IB-Funktionär Maximilian Märkl aus der AfD austreten, da der öffentliche Druck auf die Partei zu groß wurde. Es darf mit Spannung erwartet werden, wie sich die AfD zu Thomas Janeczek verhalten wird.

Linkes Bild: Selbstdarstellung von Thomas Janeczek auf seinem Instagram-Account im September 2025. Auf einer Wanderung auf der Zugspitze trägt er ein Shirt mit Aufschrift »Reconquista«. Das Shirt wird von der extrem rechten Gruppe Junge Tat aus der Schweiz vertrieben. Rechtes Bild: Thomas Janeczek auf einer Party auf dem Haus der Frankfurt-Leipziger Burschenschaft Arminia am 19. Januar 2025. Neben ihm Philipp Syskowski, ebenfalls Mitglied der Arminia und Teilnehmer des Treffens der Gruppe Aktion451 am 5. März 2026 in Frankfurt. Quelle: Instagram

Wohin führt der Weg in Hessen?

Der neue Vorstand der GD Hessen besteht einerseits aus Personen wie Pascal Schleich und Robin Jünger, die seit vielen Jahren der AfD angehören, dort Mandate bekleiden und bislang nicht durch Nähe zum neofaschistischen Spektrum aufgefallen sind. Am Beispiel von Nafiur Rahman oder Christian Petri zeigt sich andererseits, dass eine kurze aber präsente Zeit in der Partei ausreicht, um in den Vorstand der GD zu gelangen. Mit einem Pool von gerade einmal 51 anwesenden Mitgliedern (darunter kaum Frauen), wird deutlich, dass die AfD-Jugend in Hessen in Bezug auf ihr Personal nicht wählerisch sein kann. Daher verwundert es nicht, dass auch dem neuen Vorstand Personen mit deutlichen Bezügen nach (ganz) Rechtsaußen angehören.

So entpuppt sich die durch die AfD postulierte Mäßigung der Jugendorganisation bei näherer Betrachtung auch in Hessen als Fassadenschwindel. Die Radikalisierung der AfD-Parteijugend lässt sich durch die Parteispitze nicht eindämmen – sofern es dort jenseits kosmetischer Korrekturen überhaupt ein ernsthaftes Interesse daran gibt.