Zum Tod des Frankfurter Antifaschisten Dieter Bahndorf

Egal, ob die AfDDie AfD ist ein Sprachrohr der rechten Verschwörungsszene. PolitikerInnen der AfD im Rhein-Main-Gebiet verbreiten rechte Verschwörungsmythen vom »Great Reset«, »Großen Austausch«, »Hooton-Plan« u.a. Beispiele sind Ramona Storm, Frank Grobe, Sandra Scheld. Andreas Lichert, Landessprecher der AfD in Hessen, schwadroniert über eine »Symbiose von Öko-Sozialisten und Großkapital« zur Durchsetzung eines »Ökosozialismus«. Hartmut Issmer wettert in Reden gegen eine »internationale Hochfinanz«, die… Weiterlesen, die rechte Verschwörungsszene oder christliche FundamentalistInnen aufzogen. Wo immer sich Rechte in Frankfurt oder in der Umgebung zeigten: Dieter war da und wenn andere zögerten, dann ging er voran. Er brachte das Megafon mit, hielt Reden und meldete den Gegenprotest an, wenn es noch nicht geschehen war. Dieter war ein Macher. Doch war er ein bescheidener Mensch, dem jede Selbstdarstellung fremd war. Er tat das, was aus seiner Sicht getan werden musste.
Oft stand er alleine neben Kundgebungen der rechten VerschwörungsszeneAls rechte Verschwörungsszene, rechte Verschwörungsbewegung oder rechtes Verschwörungsmilieu bezeichnen wir das Spektrum der Personen, die eine Verschwörungsmentalität und eine geteilte Identität als »Freiheitsbewegung« und »Wahrheitsbewegung« verbindet. Die Angehörigen der Szene organisieren sich in analogen und virtuellen Gruppen und Plattformen und verfügen über ein eigenes Netzwerk »alternativer Medien«. Mit den Corona-Protesten Anfang 2020 bildete sich eine Bewegung heraus, die sich beständig… Weiterlesen mit seinem Transparent »Stoppt die Superspreader von Gewalt, AntisemitismusAntisemitismus ist eine tragende Ideologie der rechten Verschwörungsszene und tritt dort in vielen Facetten in Erscheinung. Als übergeordnete Verschwörungsmythos dient der Szene ein angeblicher Plan einer »globalistischen Elite« zur Schaffung einer Neuen Weltordnung. Darin spiegeln sich viele Elemente der seit fast 2000 Jahren virulenten Erzählungen von einer angeblichen jüdischen Weltverschwörung wieder: Die Ansicht, dass »heimatlose« Jüd*innen kultur- und heimatlose »Einheitsmenschen«… Weiterlesen und rechter Hetze«. Oft wurde er von Teilnehmenden bedrängt und beleidigt. Die Frage, warum er sich dies immer wieder antue, wischte er beiseite. Er tue sich doch nichts an, er tue vielmehr den Rechten etwas an, und seien es nur Nadelstiche. Nein, man dürfe sie nicht ungestört lassen.
Dieter war auch immer da, wenn man Rat und Unterstützung brauchte. Er war undogmatisch, offen, hörte zu und motivierte. Niemals sprach er von oben herab.
Und Dieter stand immer auf der richtigen Seite. Immer. Gegen Neonazis und AfD sowieso, aber auch bei den Corona-ProtestenDer Begriff »Corona-Proteste« fasst die Aktivitäten zusammen, die von einem Spektrum getragen werden, das sich »Corona-Rebellen« nennt und sich vordergründig gegen Einschränkungen durch Corona-Maßnahmen und gegen einen angeblichen »Impfzwang« wendet(e). Dort wird im allgemeinen Konsens die Gefährlichkeit des Virus geleugnet und es werden Verschwörungsmythen und Falschinformationen zur Pandemie und zu Impfungen verbreitet. Aus den Corona-Protesten wuchs die rechte Verschwörungsszene. Zu… Weiterlesen oder bei Aufzügen der »neuen Friedensbewegung«: Für ihn war zu jeder Sekunde klar, dass es unter Friedensbewegten keinen Platz geben dürfe für Antisemitismus, Verschwörungsideologien, Klimafaktenleugnung, AntifeminismusAntifeministische Ideologie richtet sich gegen feministische Forderungen und Errungenschaften. Sie ist oft in einem inhaltlichen Komplex mit LGBTQ-Feindlichkeit und der Ablehnung sexueller und reproduktiver Selbstbestimmung verbunden. Insbesondere ist Antifeminismus eine »Brückenideologie«, über die sich Allianzen von konservativen, extrem rechten, verschwörungsideologischen, rechtsesoterischen und religiös-fundamentalistischen Spektren bilden. In der rechten Verschwörungsszene hat Antifeminismus unterschiedliche Ausprägungen. Gruppen wie ElternStehenAuf sowie die Aschaffenburger »Familien-Schutz-Demos«… Weiterlesen. Er zeigte Haltung.
Die Anerkennung, die ihm dafür viele entgegenbrachten, blieb ihm an anderer Stelle verwehrt. Es schmerzte ihn, dass ihm in den vergangenen Jahren manche langjährigen Weggefährt*innen sein Eintreten gegen eine Friedens-Querfront und seine Offenheit gegenüber den unterschiedlichen antifaschistischen Gruppen verübelten und ihn zu isolieren versuchten. Es schmerzte ihn, doch es hielt ihn nicht auf. Es gab doch so viel zu tun.
Am 19. November ist Dieter Bahndorf nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von nur 65 Jahren gestorben. Die antifaschistische Bewegung im Rhein-Main-Gebiet hat eine große Integrationsfigur verloren. Die Lücke, die er hinterlässt, wird nur schwer zu schließen sein. Wir vermissen ihn.
